Solo Sailor

Alleine segeln

Die meiste Zeit auf See verbringe ich als Einhand-Segler. Das hört sich heroisch an, große Vorbilder wie Wilfried Erdmann oder Ellen MacArthur kommen einem in den Sinn. Dabei habe ich nicht vor, die Welt zu umrunden. Nach meiner Definition ist jeder Einhandsegler, der eine Yacht alleine segelt und sei es "nur" von Großenbrode nach Heiligenhafen. Man kann auch "alleine" segeln mit einer ganzen Menge Leute an Bord, die aber als Landratten keinen Baum von einer Tanne unterscheiden können. Alleine zu segeln macht sehr viel Freude, wirft aber auch einige Fragen auf, von denen ich ein paar in diesem Blog besprechen möchte.

Wie lang darf eine Yacht maximal sein?

Bei der Frage nach dem "richtigen" Boot geht es hauptsächlich um die Bootsgröße und die Ausrüstung. Beides steht zueinander im Verhältnis.

Beginnen wir mit der Größe und speziell der Frage: Wie lang darf ein Boot eigentlich sein um es noch alleine segeln zu können? Solange man draußen auf dem Meer ist und die Ausrüstung perfekt funktioniert, kann man sicher auch eine 20 m - Yacht noch kontrollieren. Anders sieht es aus, wenn etwas nicht so funktioniert wie es soll, dann kommt man schnell an seine Grenze. Alleine die wirkenden Kräfte überfordern einen Alleinsegler. 40 qm Segelfläche sind im Notfall leichter zu bändigen als 90 qm. In diesem Zusammenhang spielen natürlich auch Alter und persönliche Fitness eine große Rolle.

Ein weiterer Faktor der meiner Meinung nach die Bootsgröße für einen Alleinsegler nach oben begrenzt, sind die Hafenmanöver. Natürlich kann man hier mit entsprechender Übung viel ausgleichen, trotzdem möchte ich nicht alleine mit einer großen Yacht bei frischem Seitenwind in einer schmalen Box anlegen müssen. Unter schwierigen Umständen werden Hafenmanöver dann schnell zur unkontrollierten Glücksache.

Für mich persönlich liegt die maximale Bootsgröße zur Zeit bei 12 Meter. Darüber traue ich mir im 6-ten Lebensjahrzehnt nicht mehr zu, zum Beispiel bei schlechtem Wetter das Vorsegel zu bergen oder ähnlich schweisstreibende Arbeiten zu bewältigen. Es kann durchaus sein, daß ich mich mit fortschreitendem Alter auf unter 10 Meter verkleinern muss.

nach oben


Welche Ausrüstung soll eine Yacht haben?

Wie in der vorigen Frage bereits angesprochen, hängt dies auch von der Länge des Bootes ab. Während man auf einem 7-Meter Boot das Großsegel vielleicht noch manuell einreffen kann, ist das auf einer größeren Yacht irgendwann nicht mehr alleine machbar. Deshalb gehören für mich Rollgross und Rollfock auf jeden Fall auf ein Boot für einen Einhandsegler. Sie sollten vom Cockpit aus bedienbar sein.

Unverzichtbar für einen Einhandsegler ist auch ein gut funktionierender Autopilot. Dabei kommt es gar nicht auf ausgefeilte elektronische Features an. Es reicht vollkommen, wenn das Teil zuverlässig einen Steuerkurs hält während man auf dem Vordeck hantiert. In dem Zusammenhang muss man sich auch über die Energieversorgung Gedanken machen. Der beste (elektrische) Autopilot funktioniert nicht mehr, wenn die Batterie leer ist. Deshalb sollte man je nach geplanter Törndauer evtl. die installierte Batteriekapazität erhöhen oder sich über einen Wind-Autopilot Gedanken machen. Ein Batterie-Management welches die verfügbare Restkapazität anzeigt ist hilfreich um zum Beispiel rechtzeitig den Motor zum Laden anzulassen.

Für einen Einhandsegler fährt niemand ein Mensch-über-Bord Manöver. Deshalb muss er mit allen Mitteln verhindern über Bord zugehen! Ein Mittel ist eine fest gespannte, ausreichend dimensionierte Laufleine, in die man seine Lifeline einpickt, bevor man das Cockpit verlässt. So bleibt man immer mit dem Boot verbunden. Sie muss so befestigt sein, daß man frei vom Heck bis zum Bug laufen kann. Gleichzeitig sollte diese bisweilen auch "Strecktau" genannte Leine straff gespannt sein, damit man im Falle eines Falles nicht zu weit über Bord geht. Im Handel werden auch Y-förmige Laufleinen angeboten, die allerdings den Nachteil haben, daß man sich auf dem Weg zum Bug einmal umpicken muss. Die Alternative sind zwei unabhängige Leinen, die an Back- und Steuerbord vom Heck zum Bug durchlaufen. Würde man über Bord gehen und in die Leine fallen, entstehen sehr große Kräfte, ähnlich einem Bergsteiger der einige Meter in seine Sicherung fällt. Deshalb müssen die Beschläge an denen das Strecktau befestigt wird diese Kräfte aushalten und auch das Tau selber muss entsprechend dimensioniert sein. Nimmt man eine Universalleine sollte sie mindestens 10 mm Durchmesser entsprechend 3000 daN Bruchlast haben.

Je größer die Yacht, desdo wichtiger wird ein Bugstrahlruder um problemlose Hafenmanöver fahren zu können. Für meinen Geschmack sollte spätestens ab 10 Meter Bootslänge so eine Einrichtung an Bord sein.

Zur Vermeidung von Zusammenstößen ist auf einer Yacht für Einhandsegler neben einem Radarreflektor, auch ein AIS (Automatisches Identifizierungssystem) sowie ein Bordradar sinnvoll. Letzteres hilft allerdings nur, wenn man das Radarbild auch interpretieren kann. Also üben! Für einen Radar-Neuling sieht das Bild erst einmal aus wie die Ultraschall-Aufnahme beim Hausarzt. Am Anfang ist das Schwierigste, andere Schiffe von ortsfesten Zielen wie z.B. Tonnen oder Inseln zu unterscheiden. Während die festen Echos ihre Lage zueinander beibehalten, bewegen sich andere Boote relativ zu diesen. Prinzipiell muss man also das Radarbild mehrere Umdrehungen lang genau betrachten um herauszufinden, welche Echos ihre Position gegenüber den anderen verändern. Je nach Radaranlage hilft auch die Darstellung auf "True Motion" zu stellen, oder die Seekarte in's Radarbild einzublenden. Bei Regen oder höherem Seegang sollte man mit unterschiedlichen Einstellungen für "Gain" und "Sea Clutter" experimentieren. Besonders kleine Boote "verschwinden" immer wieder zwischen den Wellenbergen und werden nicht bei jeder Umdrehung der Radarantenne angezeigt. Hat man ein Radarziel identifiziert, kann man es, sofern vorhanden, mittels MARPA (Mini-automatic radar plotting aid) markieren und automatisch verfolgen lassen. Der Plotter berechnet dann Geschwindigkeit und Kurs des Kontrahenten und erleichtert so mögliche Ausweichmanöver. Bei neueren Geräten lässt sich auch ein Nahbereich definieren. Dringt ein Radarziel in diesen Bereich ein, wird ein Alarm ausgelöst.

Ein VHF Funkgerät gehört heute sicher zur Standardausrüstung jeder etwas größeren Yacht. Für den Einhandsegler wichtig ist, daß er das Funkgerät aus dem Cockpit bedienen kann, also ohne jedesmal unter Deck zu müssen. Bei vielen Yachten befindet sich das Mikrofon nämlich am Navigationsplatz unter Deck. Also baut man seine "Funke" entweder gleich irgendwo im Cockpit ein, oder man beschafft sich ein mobiles Bediengerät, das man wie ein Mobiltelefon überallhin mitnehmen kann. Als ich zuletzt eine Yacht nach Holland überführen durfte, lernte ich den Wert eines solchen Bediengerätes schnell schätzen, als ich vor jeder Klappbrücke den Brückenwärter bequem von Deck aus anfunken konnte.

Auch einem Einhandsegler bleibt es nicht erspart, ab und zu in den Mast steigen zu müssen. Normalerweise lässt man sich von einem vertrauenswürdigen Mitsegler an einer Fall nach oben winschen. Ist man alleine unterwegs kann man sich einer Strickleiter bzw. einer Rettungsleiter bedienen. Empfehlenswert ist in diesem Fall eine zusätzlich Leine zu spannen und sich an dieser mit einer Seilbremse zu sichern. Eine solche ist im Bergsport-Handel erhältlich, gleitet beim Aufsteigen nach oben, bremst aber einen möglichen Sturz.

Grundsätzlich ist alles was die Arbeit an Bord erleichtert für den Alleinsegler von Vorteil. Im Lauf der Zeit wird sich jeder sein Boot nach seinen Bedürfnissen ausrüsten.

nach oben


Welche persönliche Ausrüstung benötige ich?

Je nach Revier und Wetter ist die richtige Kleidung als Einhand-Segler noch wichtiger als wenn man mit einer Besatzung unterwegs ist. Man wird die meiste Zeit an Deck verbringen und ist Wind, Sonne und Regen stark ausgesetzt. Die Kleidung muss verlässlich vor Wasser schützen und es empfiehlt sich das Zwiebelprinzip. Die erste Schicht ist die Unterwäsche. Sie sollte keine Nähte haben, die beim langen Tragen anfangen zu scheuern. Klassische Funktionsunterwäsche aus Synthetik reicht aus, eine andere Variante ist aber aus Merinowolle die nicht so schnell stinkt. Die nächste Schicht heißt beim Segeln Midlayer die aussieht wie ein Surfanzug ohne Ärmel. Dazu trägt man eine Jacke. Die dritte Schicht ist das sogenannte Ölzeug, eine wasserabweisende Jacke und Hose. Man kann sich solche Kleidung auch in Geschäften für Arbeitskleidung besorgen. Dort gibt es gute Qualität zu günstigen Preisen.

Eigentlich sollte die Lifeline zur Standardausrüstung jedes Seglers gehören, aber erfahrungsgemäß führt sie bei den meisten ein Schattendasein. Gerade beim Einhand-Segeln sollte sie aber nicht nur "irgendwo an Bord" sein, sondern muss aktiv benutzt werden. Sobald man das Cockpit verlässt pickt man sich in die Laufleine ein und ist bei allen Arbeiten an Deck gegen "über Bord fallen" geschützt. Bei richtig schwerem Wetter kann es auch Sinn machen sich im Cockpit anzuleinen. Bei den meisten Yachten existieren zu diesem Zweck entsprechende massive Beschläge. Es gibt unterschiedliche Lifelines, manche mit drei Karabinern, um beim umpicken, z.B. an Relingsstützen immer mit dem Schiff verbunden zu bleiben. Ich persönlich schätze Lifelines die in der Mitte einen flexiblen Teil haben.

Zusätzliche Sicherheit bietet ein persönliches EPIRB in Handygröße, das man am Mann oder an der Frau tragen kann. Im Falle eines Falles sendet es für mindestens 48 Stunden die eigene Position. Diese wird von einem Satelliten empfangen und an eine Zentrale weitergeleitet. Hat man ein eigenes Boot, kann man über die zugeteilte MMSI - Nummer den Link zum Schiff herstellen. Man kann sich aber auch als Person in eine Datenbank eintragen lassen. So kann im Notfall sofort festgestellt werden, wer den Alarm ausgelöst hat. Dieses persönliche EPIRB ist meines Erachtens die beste Möglichkeit, wie man als Einhandsegler noch auf Rettung hoffen kann, sollte man über Bord gegangen sein.

Ein weiteres Mittel um auf sich aufmerksam zu machen ist ein AIS-SART Transponder. Er erzeugt auf Schiffen die sich in der Nähe befinden ein spezielles AIS-Signal (roter Kreis mit einem Kreuz). Im Gegensatz zum EPIRB ist die Reichweite sehr begrenzt (ca. 10 nm) und setzt vorraus, daß sich in der Umgebung überhaupt andere Schiffe mit einem AIS-Empfänger befinden.

Muss man sein Boot z.B. wegen eines Feuers oder Lecks kontrolliert verlassen, wird empfohlen eine Rettungstasche zu packen. Sie sollte zusätzliche Ausrüstung wie z.B. Seenotsignale, Lebensmittel, Rettungsdecken, etc. enthalten. Segelt man alleine ist es empfehlenswert eine solche Tasche fertig gepackt bereit zu halten.

Auf Nachtfahrten habe ich eine LED-Stirnlampe schätzen gelernt. Auf Deck, aber auch im Cockpit ist sie eine echte Hilfe und ein Sicherheitsfaktor. Man übersieht viel weniger Stolperfallen und hat bei der Arbeit an Winschen und Leinen immer gleich die richtige Beleuchtung an der richtigen Stelle.

nach oben


Wann kann ich schlafen?

Will man als Einhandsegler längere Strecken überwinden, stellt sich irgendwann die Frage nach dem notwendigen Schlaf. Liest man Erfahrungsberichte berühmter Einhandsegler, erfährt man immer wieder, dass sie auch mal für Stunden unter Deck geschlafen haben. Das mag auf einer Weltumsegelung abseits aller Schifffahrtsrouten irgendwo im Südatlantik möglich sein. Auf der Ostsee oder im Mittelmeer wäre es nicht zu verantworten. Natürlich kommt man mit einem Boot nicht wie beim autofahren sofort von der Straße ab, wenn man einmal die Augen schließt. Aus Gründen der Kollisionsverhütung sollte man jedoch meines Erachtens in dicht befahrenen Gewässern nicht länger als 10 Minuten "wegnicken". Dazu stelle ich mir einen Wecker, prüfe noch einmal die Umgebung und schlafe dann. Dann prüfe ich wieder den Horizont, stelle wieder meinen Wecker, usw. Während der kurzen Wachphase sollte man sich einen ritualisierten Ablauf angewöhnen, damit man nichts vergisst und möglichst schnell wieder einschlafen kann: Horizont absuchen, Kurs überprüfen, Segelstellung kontrollieren. Auf diese Weise kann man durchaus 36 Stunden durchfahren, ohne daß man "auf den Hund" kommt. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 kt erreicht man im Mittelmeer in dieser Zeitspanne vom Festland aus jede Insel, seien dies die Balearen, Sardinien oder Kreta. Längere Alleintörns würde ich in o.a. Gewässern nicht unternehmen.

Aufgrund der kurzen Schlafphasen macht es Sinn, soweit möglich an Deck zu schlafen. Das hat den Vorteil, dass man nicht jedesmal schlaftrunken in's Cockpit klettern muss, man ist im Falle eines Falles direkt am Ruder und man bekommt auch akkustisch wesentlich mehr mit als unter Deck.

"Jeder Jeck is anders" sagt man in Köln und so muss man für sich ausloten ob man lieber morgens nach dem Aufstehen losfährt, oder zuerst tagsüber schläft und dann ausgeruht in die Nacht startet. In Tidengewässern ist man evtl. auch aufgrund der Gezeiten auf eine bestimmte Abfahrtszeit festgelegt. Auf jeden Fall sollte das Boot schon vorher abfahrtsbereit gemacht worden sein, damit man nicht schon einige Stunden "auf der Uhr hat" bevor man losfährt.

nach oben


Wie lege ich am besten an?

Gute Vorbereitung ist wichtig, deshalb rechtzeitig vor der Hafeneinfahrt die Fender und Festmacherleinen vorbereiten und zwar so, daß man sie beim Anlegen nur noch überwerfen muss. Im Handel gibt es konfektionierte Festmacherleinen, die am einen Ende ein Auge haben. Am anderen Ende knotet man mit einem Palstek ein mindestens gleich grosses Auge und führt die Leine von der Klampe ausserhalb der Reling auf's Deck und wieder ausserhalb der Reling zur Klampe zurück. Die Leine schiesst man auf und klemmt sie fest, damit sie nicht über Bord gehen kann. Jetzt ist man für alle "Anlegefälle" gut gerüstet. Das Überwerfen der Leine kann man übrigens in Ruhe an Land üben, indem man eine Festmacherleine aufschiesst und eine Hälfte in die linke, die andere Hälfte in die rechte Hand nimmt. In der Mitte lässt man eine Bucht herunterhängen, die man dann wie ein Lasso vom Boot aus über den Poller am Steg wirft. Mit ein bisschen Übung klappt das ganz gut und man braucht niemand, der einem an Land die Leine entgegen nimmt. Rechnet man damit längsseits anzulegen, kann man sich die Vorleine, vorausgesetzt sie ist lang genug, ausserhalb der Reling nach hinten in's Cockpit legen.

Zur Vorbereitung gehört auch bei einem unbekannten Hafen herauszufinden, wie man dort anlegt. Gibt es Schwimmstege, Dalben, legt man längsseits oder römisch-katholisch mit Mooringleinen an? Informationen erhält man aus Hafenhandbüchern (Reed's, etc.), Hafenplänen auf der Seekarte und Internetforen. Oft hilft es auch den Zielhafen auf dem Kartenplotter ganz aufzuzoomen.

Fährt man dann sein Anlegemanöver lautet der Grundsatz: Immer mit der Ruhe! Lieber dreimal ansetzen als beim ersten Mal den Nebenlieger rammen. Für Solo-Segler am angenehmsten ist es meistens rückwärts anzulegen, weil so Festmacherleine, Steuer und Gashebel gleich nebeneinander liegen. Ist die erste Leine an Land, kann man den Rest in Ruhe erledigen. Dabei hilft in vielen Fällen das Eindampfen. Muss man z.B. bei ablandigem Wind längsseits anlegen fährt man rückwärts gegen den Wind an den Steg und wirft die Heckleine über. Jetzt das Ruder in den Wind legen und Vorwärtsschub geben, durch den Hebelarm zwischen Schraube und Poller zieht es den Bug gemütlich in Richtung Steg und man kann die Vorleine festmachen.

Über die Technik des An- und Ablegens sind ganze Bücher geschrieben worden und tatsächlich gestaltet es sich jedes mal etwas anders. Meistens werden Fallunterscheidungen getroffen, die zumindest ich mir schwer merken und im Bedarfsfall erst recht nicht abrufen kann. Viel wichtiger als feste Handlungsanweisungen auswendig zu lernen ist es nämlich die grundlegende Physik zu verstehen und vor allem an seinem Boot auszuprobieren. Wie wirkt meine Schraube? Habe ich einen Faltpropeller? Wie verhält sich mein Boot bei Seitenwind? Was kann ich von meinem Bugstrahlruder erwarten? Kennt man seine Yacht und weiß wie sie reagiert, kann man flexibel auf die unterschiedlichen Situationen reagieren.

nach oben


Welche rechtlichen Vorschriften gibt es?

Für den einen oder anderen stellt sich vielleicht die Frage, ob es rechtlich überhaupt zulässig ist, alleine mit einer Yacht in See zu stechen. Die Antwort lautet wie so oft: Es kommt darauf an.

Solange man privat unterwegs ist, steht dem Vorhaben erst einmal nichts im Wege. Für nicht-gewerblich genutzte Sportboote gibt es bezüglich einer Mindestbesatzung keine Vorschriften. Nur die Versicherung kann einem eventuell einen Strich durch die Rechnung machen. Es gibt Kasko-Policen, die den Betrieb einer Yacht mit einer Person ausschließen.

Ist man gewerblich, z.B. als Segellehrer oder Skipper unterwegs gilt Anlage 4 (zu § 15 Abs. 2) der See-Sportbootverordnung. Danach darf man, vorausgesetzt man hat den entsprechende Sportbootschein, mit einer Yacht bis 15 Meter Länge, alleine "küstennahe Seegewässer" befahren. Unter "küstennahem Seegewässer" versteht die Verordnung "Seegewässer aller Meere bis zu 30 Seemeilen Abstand von der Festlandküste sowie die Seegebiete der Ost- und Nordsee, des englischen Kanals, des Bristolkanals, der Irischen und Schottischen See, des Mittelmeeres und des Schwarzen Meeres. Theoretisch dürfte man also alleine von Stockholm nach Athen schippern, wenn da nicht noch folgende Vorschrift gelten würde, die sinngemäß besagt "Sportboote, die innerhalb von 24 Stunden länger als zehn Stunden fahren, müssen mit einem zusätzlichen Scheininhaber besetzt sein." Auch dem Gesetzgeber ist offensichtlich nicht entgangen, daß Menschen irgendwann ermüden, was im Umkehrschluss natürlich auch für Privatsegler die Frage aufwirft. Was mache ich, wenn ich müde werde?

An dieser Stelle rückt dann die Regel 5 der KVR in den Fokus die verkürzt besagt, daß ein Fahrzeug jederzeit Ausguck halten muss. Das zeigt, dass ein Einhandsegler, der zum Schlafen mal eben den Autopilot einschaltet und einige Stunden unter Deck geht, nicht mehr legal unterwegs ist. Wie man sich in der Praxis der Legalität in Sachen Ausguck wieder annähern kann, erkläre ich an anderer Stelle.

nach oben


Wie bereite ich mich vor?

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Das betrifft alle Segler gleichermassen. Beim alleine Segeln kommt hinzu, dass man oft keine Zeit hat in Ruhe "nach unten" zu gehen und sich etwas zuzubereiten. Deshalb ist es wichtig vor der Abfahrt das geeignete "Catering" zu besorgen. Alles was ohne großen Aufwand verzehrbereit gemacht werden kann ist geeignet, aufwendige Mahlzeiten sollte man sich für den Hafen aufsparen. Pro Tag mit mindestens 4 Liter Trinkwasser planen.

Natürlich sollte man gesund und körperlich fit sein, bevor man in See sticht. Das ist erst mal ein Allgemeinplatz, den man mit Leben füllen kann, indem man in sich hineinhorcht und sich selbst die eine oder andere Frage stellt: Habe ich gestern Abend vielleicht doch das eine Glas zu viel getrunken? Bin ich ausgeschlafen? Schmerzt mein Meniskus heute mehr als sonst? Es soll hier niemand zum Hypochonder werden, aber man muss sich auch im Klaren sein, dass man alleine auf's Meer rausfährt und einen niemand anderes zurück in den Hafen bringt als man selbst.

Beginnt man erst mit dem Einhandsegeln, sollte man sich überschaubare Ziele setzen. Erst nach einiger Übung, kann man auch einen längeren Törn oder eine Nachtfahrt in Angriff nehmen. Bewährt hat sich auch, einen Mitsegler an Bord zu haben, der sich aber an der Führung des Bootes nicht beteiligt. So kann man die notwendigen Handgriffe und Fertigkeiten einüben und hat trotzdem noch einen "Backup" in der Hinterhand.

Mentale Handlungpläne und Checklisten nach dem Motto: Was mache ich wenn... helfen im Bedarfsfall: Wie bringe ich meine Rettungsinsel zu Wasser? Wie bekämpfe ich ein Feuer? Wie setze ich einen Notruf ab? Ist man so etwas im Vorfeld schon einmal an Bord Punkt für Punkt durchgegangen, hilft einem das ungemein und gibt das entsprechende Selbstvertrauen. Als Beispiel können sie eine Checkliste für das Ausbringen einer Rettungsinsel oder eine Checkliste für das Aussenden eines Notrufs als PDF herunterladen. Sie orientieren sich an Verfahren, wie sie auch in der Verkehrsluftfahrt angewendet werden. Die Hauptpunkte die abgearbeitet werden müssen sind in schwarzer Schrift aufgeführt. Zusätzliche Informationen finden sich an den entsprechenden Stellen in grün. Bitte beachten: es handelt sich hier nur um ein Beispiel für ihre eigenen Checklisten, die sie entsprechend ihrer persönlichen Ausrüstung erstellen können.

Auch eine persönliche Bordapotheke gehört zur Vorbereitung und das nicht nur auf langen Fahrten. Auf einem Segelboot kann man sich schnell sehr schmerzhaft verletzen. Oder haben Sie sich noch nie an einem Beschlag den Fuß angehauen, sind ausgerutscht oder haben sich den Knöchel verstaucht? Mit einem schnell wirkenden Schmerzmittel kommt man noch in den nächsten Hafen. Neben den üblichen Verbandsmaterialien habe ich auch immer ein Breitband-Antibiotikum an Bord. Reden Sie mit ihrem Hausarzt und lassen sich ein Rezept ausstellen. Ansonsten kann man sich, je nach persönlichen Geschmack seine Bootsapotheke aufrüsten z.B. mit medizinischer Kohle gegen Durchfall, Mittel gegen Seekrankheit (Scopolaminpflaster), Salbe für Prellungen und Verstauchungen, Desinfektions-Spray für offene Wunden, etc.

nach oben


Wie bereite ich meine Mitsegler vor?

Weiter oben habe ich bereits erwähnt, daß man auch Einhandsegler sein kann, obwohl man noch andere Mitsegler an Bord hat. Die folgende Episode soll dies illustrieren. Sie hat sich genau so abgespielt und wurde im Rahmen der Seeamtsverhandlung der Wasser- und Schiffahrtsdirektion rekonstruiert.

An einem Donnerstag Ende Mai starten der sehr erfahrene Skipper und seine Mitseglerin einen mehrtägigen Segelausflug auf der Ostsee. Die 11-Meter Yacht ist gut ausgerüstet und hat u.a. eine umfangreiche Navigationsausrüstung, VHF-Funk und eine Rettungsinsel an Bord. Für Ende Mai ist es mit 14°C relativ kühl, aber die Sicht ist gut und es weht ein frischer Wind mit 4-5 Bft. Gegen 11 Uhr segelt man mit Autopilot vor dem Wind. Das Großsegel ist nach Steuerbord, das Vorsegel nach Backbord aufgefiert, also eine Segelstellung (Schmetterling) bei der man gut aufpassen muss, daß einem das Groß nicht plötzlich auf die andere Seite knallt.

Die Mitseglerin, oder man sollte vielleicht besser Passagierin sagen, hat keinerlei Segelkenntnisse. Sie ist gerade unter Deck, als ein starker Ruck durch das Boot geht. Sie hört ein Rumpeln und Hilferufe, springt an Deck und sieht den Skipper im Kielwasser schwimmen. Er trägt eine Segeljacke, keine Rettungsweste und ruft ihr "Segel runter" zu. Während sich der Abstand zum Skipper immer weiter vergrößert, fällt ihr auf, dass jetzt beide Segel nach Backbord stehen. Wahrscheinlich hatte der Bootsführer die Plicht verlassen, der Baum kam über und er wurde ins Wasser geschleudert.

Leider weiss die Mitseglerin nicht wie man die Segel birgt, wie man einen Rettungsring ausbringt, den Motor anlässt oder über Funk einen Notruf absetzt. Der Skipper verschwindet aus dem Sichtbereich und sie ist hilflos alleine auf der Ostsee unterwegs. Nach einiger Zeit schafft sie es immerhin die Yacht mit dem Autopilot in Richtung Land zu steuern. Sie wartet bis das Boot auf Grund läuft und schwimmt den Rest an Land. Anwohner alarmieren die Polizei, die Suche nach dem über Bord gegangenen Skipper bleibt erfolglos. Erst 8 Tage später kann er tot geborgen werden.

Dies zeigt deutlich, dass es sich lohnt auch unerfahrene Mitsegler mit einigen Grundlagen vertraut zu machen. Natürlich kann man ihnen nicht beibringen wie man ein MOB Manöver fährt, aber folgende Punkte sollte man mindestens ansprechen:

Gerade auf mehrtägigen Ausfahrten, sollte man sich die Zeit nehmen.

nach oben


Bei welchem Wetter kann ich auf's Meer?

Für Einhandsegler gelten erst einmal die gleichen Regeln wie für alle anderen Boote auch: Einholen der relevanten Wetterinformationen und Beurteilung der Wetterentwicklung vor der Abfahrt. Als Alleinsegler, sollte man aber seine Limits etwas enger setzen, als dies bei einer größeren Besatzung der Fall ist.

Speziell sollte man darauf achten, dass die Sicht nicht für längere Zeit eingeschränkt ist. Je schlechter die Sicht, desdo später erkennt man andere Fahrzeuge und desdo weniger Zeit hat man um Arbeiten zu erledigen die nichts mit "Ausguck halten" zu tun haben.

Jeder hat so sein eigenes Wind-Limit, je nach Boot, persönlicher Erfahrung und Revier. Fährt man alleine kann man diese Windstärke ruhig etwas reduzieren. Gerade als Einhand-Segler muss die Segelfläche rechtzeitig der Windstärke angepasst werden. Hat man kein Rollgross und muss das Grosssegel manuell einreffen, sollte man sich ab etwa 5 Bft. überlegen, ob man nicht schon im Hafen die erste Reffreihe einzieht um unnötigen Stress auf See zu vermeiden. Nicht zuletzt sollte man auch überlegen, ob man bei der vorhergesagten Windrichtung und Windstärke alleine überhaupt noch ein Anlegemanöver hinbekommt.

nach oben


Wie halte ich Ausguck?

Regel 5 der Kollisionsverhütungsregeln KVR besagt: "Jedes Fahrzeug muss jederzeit ... gehörigen Ausguck halten, der einen vollständigen Überblick über die Lage und die Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes gibt." Diese Forderung stellt uns als Einhandsegler natürlich vor besondere Herausforderungen. Angesichts der Tatsache, dass auch auf anderen Booten nicht ein Besatzungsmitglied ständig auf's Wasser starrt, versuche ich mich hier der Gefahr einer Kollision pragmatisch zu nähern.

In der Regel (auftauchende U-Boote ausgenommen) tauchen Schiffe auf See nicht einfach aus dem Nichts auf. Normalerweise erkennt man seinen Kontrahenten je nach Sichtweite einige Zeit im vorraus. Betrachten wir die gegenseitige Annäherung einmal rechnerisch: Eine Segelyacht mit einer Geschwindigkeit von 5 kt legt 155 Meter pro Minute zurück. Bei einem Frachter mit 20 kt sind es dann 620 Meter. Fahren beide im "Worst-Case" direkt aufeinander zu, nähern sie sich mit einer Geschwindigkeit von 775 Meter / Minute an. Erkennt man den Frachter bei guter Sicht in einer Entfernung von 12 km, beträgt die Zeit bis zur Vorbeifahrt also 15 Minuten. Bei mäßiger Sicht von 5 km, reduziert sich diese Zeit auf etwas über 6 Minuten. Diese Rechnung gibt einem zunächst ein Gefühl, wie viel Zeit zwischen einer Sichtung und dem CPA (closest point of approach) vergeht. Sucht man also bei guter Sicht den Horizont ab, und es ist kein anderes Fahrzeug zu erkennen, kann man durchaus unter Deck gehen und sich eine Dose Ravioli warm machen.

Um andere Fahrzeuge zu bemerken, lange bevor man sie in Sicht bekommt, ist ein AIS (Automatic Identification System) sehr sinnvoll. Zwar kann man sich nicht ausschließlich auf das AIS verlassen, da nicht alle Fahrzeuge damit ausgerüstet sind. Trotzdem ist es gerade für Alleinsegler sehr empfehlenswert. In diesem Zusammenhang ist auch bei gutem Wetter ein Radar hilfreich. Bei Nacht und höherem Wellengang habe ich schon manches kleinere Fahrzeug auf dem Radar entdeckt. Das gilt übrigens auch für Fischerbojen die zur besseren Erkennbarkeit für's Radar bisweilen von den Fischern mit kleinen Aluschnipseln versehen werden.

Getreu dem Motto "Sehen und gesehen werden" ist es auch sinnvoll die Sichbarkeit des eigenen Fahrzeuges zu verbessern. Dazu gehört zum Bespiel auf die Funktionsfähigkeit der Positionslichter zu achten. Eine Dreifarben-Laterne im Masttop erhöht die Distanz in der man von anderen Schiffen wahrgenommen werden kann. Ein Radarreflektor ist besonders bei Kunststoffyachten Pflicht. Ohne diesen werden sie von anderen Radaranlagen kaum wahrgenommen. Es gibt zusätzlich auch aktive Radartransponder, die ein Signal zurücksenden, wenn sie von einem Impuls getroffen werden. Dies steigert die Sichtbarkeit um ein vielfaches. Hat man neben einem AIS-Empfänger auch einen Sender an Bord, kann man neben seinem Schiffsnamen noch die Bemerkung "Solo Sailor" eingeben. Das informiert die anderen Fahrzeuge "Vorsicht, der ist alleine unterwegs."

nach oben


Wie ankere ich am Besten?

Als Einhandsegler bekommt das Ankern besonderes Gewicht. Zum einen hat es einen Sicherheitsaspekt: Ein gut funktionierendes Ankergeschirr, das jederzeit zum Einsatz bereit ist, gibt einem das ruhige Gefühl im Notfall schnell „das Eisen werfen zu können“. Fällt zum Beispiel der Motor aus, kann man unter Segel zur Not bis hinter eine Hafenmole kommen und dort ankern. Der Mitarbeiter eines Werftbetriebes, der öfter Yachten zum Lackieren bringt sagte mir einmal „wir bauen vorher alles aus, nur den Anker haben wir immer noch an Bord“.

Auch was die Müdigkeit betrifft, ist das Ankern bisweilen eine geschickte Lösung. Es geht wesentlich schneller in einer geschützten Bucht den Anker zu werfen um ein paar Stunden Schlaf nachzuholen, als umständlich in einem Hafen einzuklarieren.

Bei den meisten Yachten ist der Anker heutzutage in einem entsprechenden Beschlag am Bug einsatzbereit. Hat man so etwas nicht, sollte der Anker incl. Kette fertig klariert, nicht ganz unten in der Backskiste liegen. In der Regel wird der Anker von einem Crewmitglied bedient der sich im Bug beim Ankergeschirr aufhält. Auf Kommando lässt er den Anker fallen. Für den Einhandsegler kann es deshalb Sinn machen sich einen Schalter in‘s Cockpit zu legen, mit dem er den Anker bedienen kann.

Bei der Wahl des Liegeplatzes ist es besonders wichtig, dass er für die Dauer des Ankerns „problemlos“ ist, also es möglichst keinen auflandigen Wind und wenig Seegang hat. Im zu erwartenden Schwojkreis sollen sich keine anderen Yachten befinden. Vorsicht im Tidenrevier: auch bei Niedrigwasser muss noch etwas Wasser unter dem Kiel sein. Der Ankergrund sollte so beschaffen sein, dass der Anker gut hält (Ton, Lehm, Sand oder fester Schlick), wichtig ist aber auch, daß man das Teil wieder problemlos hochbekommt. Alleine sind die Kräfte begrenzt, weshalb ich besonders von steinigem Untergrund die Finger lasse. Zu schnell verkeilt sich der Anker irgendwo und man hat größte Mühe ihn wieder klar zu bekommen.

Gemäß §32(4) SeeSchStrO muss auf Yachten bis 12 Meter Länge keine Ankerwache gegangen werden. Trotzdem ist es natürlich gute Seemannschaft, dass man während des Ankerns überprüft, ob die Yacht vertreibt. Als Alleinsegler hilft uns hier die moderne Elektronik. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kann man seinen Tiefenmesser auf eine bestimmte Minimaltiefe programmieren, bei deren Unterschreiten er Alarm gibt. Zum anderen kann man die Ankerposition im GPS speichern, der Alarm geht los wenn man sich einen vorgegebenen Wert davon entfernt. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile, weshalb es geschickt ist, beide parallel zu benutzen. Es soll sogar Handy-Apps geben, die Ankerwache gehen.

Beim eigentlichen Ankermanöver sollte man seinen Ankerplatz genau gegen den Wind anfahren und vor dem Fallen des Ankers, das Boot wirklich ganz aufstoppen.

nach oben


Trinkwasser an Bord

An dieser Stelle möchte ich etwas ausführlicher auf das Trinkwasser eingehen, das wir an Bord nehmen. Verunreinigtes Trinkwasser ist nämlich eine Quelle zahlreicher Erkrankungen, die von Mikroorganismen hervorgerufen werden. Ganz oben steht hier "Montezumas Rache", die Reisediarrhö, gefolgt von Hepatitis A, Typhus oder Poliomyelitis. In manchen Ländern beträgt die Wahrscheinlichkeit bei einem 14-tägigen Aufenthalt an Durchfall zu erkranken 90% ! Bisweilen beziehen wir das Wasser, das wir an Bord nehmen aus zweifelhaften Quellen, besonders in südlichen Ländern. Deshalb hier einige Möglichkeiten und Tipps zur Wasserdesinfektion.

Man unterscheidet chemische und physikalische Verfahren zur Wasserdesinfektion. Bei den chemischen ganz oben steht das Chlor. Für die Wirksamkeit ist die Kombination von Dosis und Einwirkzeit entscheidend: je mehr man nimmt, desto schneller geht's. Allerdings sollte man folgende Punkte beachten: Ist das Wasser durch organische Partikel verschmutzt, wird an ihnen ein Großteil des eingesetzten Chlors verbraucht. Dies nennt man auch "Chlorzehrung". Bei Chlortabletten die nicht einzeln in Blistern verpackt sind, kann die Wirksamkeit im Lauf der Zeit durch Luftkontakt und Feuchtigkeit herabgesetzt werden. Den Behälter also möglichst selten öffnen, gut verschließen und das Haltbarkeitsdatum beachten. Um den unangenehmen Chlorgeschmack wegzubekommen, kann man nach der Desinfektion etwas Zitronensaft zugeben.

In Spanien habe ich von Seglern eine preisgünstige Möglichkeit zur Chlor-Desinfektion des Bordwassers erklärt bekommen. Sie benutzen, und das ist jetzt kein Witz, das Reinigungsmittel "Lejia". Es ist offiziell zur Desinfektion von Trinkwasser zugelassen sofern es keine Geruchsstoffe enthält. Auf der Packung steht dann "APTA PARA LA DESINFECCIÓN DEL AGUA DE CONSUMO" also soviel wie "Geeignet für die Desinfektion von Trinkwasser". Das Zeug gibt es in jedem Supermarkt bei den Putzmitteln und es reichen ca. 5 ml für 100 l Wasser.

Bei den physikalischen Desinfektionsmethoden gibt es erst einmal die thermische Desinfektion oder einfacher ausgedrückt das Abkochen. Bei 100 °C sterben Bakterien und Viren innerhalb Sekunden, bei 80 °C selbst der hitzeresistente Hepatitis A Virus innerhalb einer Minute und Wasser das 30 Minuten konstant über 65 °C gehalten wurde, kann nach Expertenmeinung als sicher angesehen werden.

Eine weitere Desinfektionsmethode ist die Bestrahlung des Wassers mit UV-Strahlung. Sie ist gegen alle Arten von Mikroorganismen wirksam, wobei sich die Erreger in ihrer Strahlensensibilität unterscheiden. Bakterien sind relativ empfindlich, während Viren eine höhere Resistenz aufweisen.

Für uns Segler ergibt sich aus diesen beiden Methoden eine Möglichkeit im Fall der Fälle Wasser zu desinfizieren, die "Solare Desinfektion und Fotokatalyse" SODIS. Schwieriger Name aber einfache Anwendung: Wasser in handelsübliche Plastik- oder Glasflaschen füllen und für mehrere Stunden in die Sonne legen. Profis malen die Rückseite der Flasche schwarz an, wodurch sich das aufzubereitende Wasser schneller erhitzt. Bei starker Sonneneinstrahlung werden 6 Stunden empfohlen, bei bewölktem Himmel bis zu 48 Stunden.

Natürlich gibt es noch jede Menge kommerzielle Produkte zur Outdoor-Wasserdesinfektion. Jeder kann hier für sich entscheiden, was für ihn vom Preis und den zu behandelnden Wassermengen sinnvoll ist. Zu guter Letzt sollte man auch einen Blick auf die im Boot verbaute Trinkwasseranlage werfen. Die beste Desinfektion macht keinen Sinn, wenn das Wasser aus Biofilmen, die sich in den Tanks und Leitungen gebildet haben, wieder verschmutzt wird. Gerade auf Booten, die längere Zeit stehen, kann auch eine Untersuchung auf Legionellen sinnvoll sein.

nach oben


zurück zur Startseite